Ja, hier wird schon wieder eine Menge Wut verschossen, aber was nicht empört ist nicht wert, geschrieben zu werden. Es kommen andere Zeiten, in denen ihr nur auf die Schönheit der Welt hingewiesen werdet, versprochen.
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| Der Murdoch der Provinz: Madsack-Aufsichtsratvorsitzender Haak |
Einer der größten Topfdeckel der Arbeiter_innenbewegung muss aus Glaubwürdigkeitszwecken mal wieder einen Streik vom Zaun brechen, damit die Mitglieder nicht auf falsche Gedanken kommen und hat zu diesem Zweck am heutigen Tag den ÖPNV in Hannover lahmgelegt. Das ist erstmal nicht viel, aber angeblich (wobei man der HAZ wirklich gar nichts glauben darf) der größte Streik in Hannover seit zehn Jahren.
Über etwas derartig Unglaubliches berichtet natürlich auch die Provinzpresse breit und ausführlich. Ebenjene gehört zum Meinungsbetrieb Madsack, einem Unternehmen, dass die Deutungshoheit über jene düsteren Gebiete dieses Landes hat, die zu unrelevant sind oder deren Bevölkerung zu dumm ist, um den Bedarf für andere Berichterstattung in profitable Größenordnungen zu bewegen. In Hannover ist der Konzern mit der “Neuen Presse” und der “Hannoverschen Allgemeinen Zeitung” vertreten und nutzt den Streik als willkommenen Anlass, um klar zu machen, dass 23% SPD-Beteiligung am Betrieb eine Rolle spielen können: Gemäß Parteilinie wird nämlich wie folgt der Streik überschriftet: “Massive Kritik: ver.di-Streik trübt das Verhältnis zur Politik” oder auch: “Tipps für Montag: Wege durch das Streik-Chaos in Hannover ” oder auch (Stichwort “bürgerkriegsähnliche Zustände”): “Möglichst Innenstadt meiden: Streik legt am Montag Nahverkehr in Hannover lahm” bzw “Warnstreik: Chaos in Hannover droht“.
CDU-Bürgermeister Weil und SPD-#&$*§! (aka Regionspräsident) Jagau soufflieren: “Mein Unverständnis beginnt schon bei der Tarifforderung nach fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt.” (Ersterer) bzw. “Die Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes ‘sollten sich bewusst machen, was es in der heutigen Zeit bedeutet, einen sicheren Arbeitsplatz zu haben’“ (Letzterer).
Mit Bedauern wird festgestellt, dass die Streikbrecherbusse leer bleiben, durch die BAMS wird Maizere zitiert, dass nun eben Bibliotheken, Theater und Schimmbäder geschlossen werden müssen – alles nur wegen den Klassenkämpfer_innen von ver.di.
Die lassen sich selbstverständlich auch nicht lumpen und Pfosten Bsirske tönt wie der letzte Nationalliberale: “Gute Leistung muss sich lohnen – auch für uns.”
Da weiß man gar nicht, was man noch machen soll. Zum Glück bin ich derartig prekär beschäftigt, dass mich die Abwesenheit irgendeines Flächentarifvertrages oder vertraglich geregelten Arbeitsverhältnisses davor verschont, mich in diesem traurigen Szenario irgendwem anzudienen. O Klasse, deine Kämpfe…
Nachtrag: Dass die DGB-Gewerkschaften selbst Scheißarbeitgeberinnen sind, ist ja schon länger bekannt; dass das jetzt als Argument gegen den aktuellen Arbeitskampf benutzt wird, kommt zwar von der falschen Seite, ist aber erstmal genau richtig (und dann auch noch Bsirske, der angesichts von 1,5% mehr Lohn für ver.di-Leute sagt, dass “wenn wir 1,5 Prozent im öffentlichen Dienst angeboten bekämen”, “schon einen erheblichen Schritt weiter” wären).

2 Kommentare
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weil ist übrigens auch in der spd und nicht, wie der artikel behauptet, in der cdu. hannover bleibt spd-filz!
ups. aber aussagekräftig, wenn man nicht unterscheiden kann,ob der OB einer stadt, in der man wohnt, von der spd oder cdu ist. btw ist dessen homepage auch eher psychoaktive erfahrung als politische werbung…
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